DIN-Normungsgremien (Deutsches Institut für Normung e. V.) sind Arbeitskreise aus Fachleuten unterschiedlicher Organisationen, also Unternehmen, Verbänden, der Forschung und Behörden. Hier werden gemeinsam Normen entwickelt, überarbeitet oder weiterentwickelt. Ziel ist es, einheitliche, praxisnahe und anerkannte Standards zu schaffen.
Wie wirksam solche Standards sein können, zeigt ein einfaches Beispiel, das uns weit über Deutschland hinaus ständig begegnet: das Papierformat DIN A4. Es ist aus dem Schul-, Berufs- und Alltagsleben nicht mehr wegzudenken.
In den Normungsgremien bringen Mitarbeitende aus Unternehmen ihre praktische Erfahrung und Marktkenntnis ein – auch ohne direkt beim DIN zu arbeiten. Vincent Pannard, unser Produktmanager Brandvermeidung, ist eines der Gremienmitglieder im DIN NA 031-03-04 AA (Feuerlöschanlagen mit gasförmigen Löschmitteln und deren Bauteile). Wir sprachen mit ihm über diese Aufgabe und warum es wichtig ist, Standards aus der Praxis für die Praxis mitzugestalten.
Was war deine Motivation, im DIN-Normungsgremium mitzuarbeiten?
Vincent Pannard: Meine Motivation war eine Mischung aus Neugier und fachlichem Anspruch.
Normen bilden eine verlässliche Grundlage für sichere, qualitativ hochwertige Produkte und sichere Arbeitsprozesse. Mich hat interessiert, wie solche Normen entstehen: welcher Prozess dahintersteckt und wie aus unterschiedlichen Sichtweisen ein gemeinsamer Text wird. Gleichzeitig wollte ich Impulse geben, wenn Normen nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entsprechen, um Innovationen zu fördern.
Ein weiterer Punkt war der Wunsch, Texte klarer und eindeutiger zu machen. Historisch gewachsene Normen enthalten oft Formulierungen, die unterschiedlich interpretiert werden können. In der Normung geht es darum, Eindeutigkeit zu schaffen, damit Inhalte für alle nachvollziehbar sind.
Welche fachlichen oder organisatorischen Herausforderungen erlebst du in der Gremienarbeit?
Vincent Pannard: Eine große fachliche Herausforderung ist tatsächlich der Abstimmungsprozess. Viele Brandschutzregelwerke werden oft nicht nur auf nationaler Ebene erarbeitet, sondern auf europäischer Ebene (DIN EN Regelwerke). Diskussionen und Abstimmungen werden dadurch international beeinflusst, was die Prozesse komplexer und zeitintensiver macht. Gleichzeitig erhöht sich dadurch aber auch die Reichweite der Ergebnisse.
Organisatorisch ist die Gremienarbeit eine eigene Welt mit klar definierten Abläufen, zahlreichen Terminologie-Kürzeln und formalen Freigabeschleifen. Sich in diese Prozesse einzuarbeiten, erfordert Geduld, ist aber Voraussetzung dafür, dass belastbare, allgemein akzeptierte Normen entstehen.
Ich bin seit etwa einem Jahr in DIN-Gremien aktiv und habe schnell gemerkt, dass es Zeit braucht, bis alle Beteiligten, also Brandschutz-Marktbegleiter, Versicherer und Branchenspezialisten mit ihren jeweiligen Expertisen, inhaltlich auf demselben Stand sind. Genau dieser intensive Austausch macht die Arbeit letztendlich so spannend und wertvoll.
Wo siehst du den größten Mehrwert der Mitarbeit – für dich persönlich und für unser Unternehmen?
Vincent Pannard: Der größte Mehrwert liegt im Wissens- und Erfahrungsaustausch. Die Brandschutzwelt ist eine kleine, spezialisierte Branche – Themen wie Sauerstoffreduzierung zur Brandvermeidung sind darin noch einmal sehr spezifisch. Historisch liegt der Fokus vieler Regelwerke eher auf Löschsystemen. Umso wichtiger ist es, neue Ansätze frühzeitig in den Dialog einzubringen.
Ich denke, dass es sowohl für uns als auch für die Branche wichtig ist, unsere Erfahrung aktiv einzubringen, Standards weiterzuentwickeln und den Brandschutz insgesamt zu verbessern – teilweise sogar durch die Mitgestaltung neuer Regelwerke. Gerade bei neuen Technologien ist es entscheidend, sie in den Gremien bekannt zu machen und klare Richtlinien für ihren Einsatz zu entwickeln.
Persönlich profitiere ich vom Netzwerk und Meinungsaustausch mit Experten aus anderen Ländern, Versicherern und Marktbegleitern. Das gibt einen echten Wissensvorsprung und neue Perspektiven.
Warum ist es wichtig, dass Unternehmen wie unseres in Normungsgremien vertreten sind?
Vincent Pannard: Indem wir unser Know-how direkt einbringen, können wir neue Wege im Brandschutz aufzeigen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Aufnahme von Sauerstoffreduzierungssystemen in Regelwerke. WAGNER hat sich von Beginn an aktiv in die Entwicklung dieser Normen eingebracht und konnte durch die fachkundige Erläuterung der technologischen Eigenschaften maßgeblich zur Optimierung der Ergebnisse beitragen.
Normen dienen dazu, Lösungen als „geprüft“ und zuverlässig zu bestätigen. Betreiber müssen und wollen nicht nur unseren Aussagen als Hersteller vertrauen. Daher braucht es gerade bei neuen Technologien einen Konsens in der Branche. Richtlinien wie die EN-Normen haben international ein hohes Gewicht und helfen, unsere Lösungen breiter zu etablieren und damit das Sicherheitsniveau in vielen Branchen zu erhöhen.
Strategisch ist die Gremienarbeit entscheidend, weil Richtlinien oft kurzfristig wirksam werden und laufende Projekte oder Produkte beeinflussen können. Manche Produkte können durch neue Vorgaben sogar komplett in Frage gestellt werden. Wenn Entwickler, Hersteller und Errichter frühzeitig Bescheid wissen und mitgestalten, ist es möglich rechtzeitig zu reagieren, Anpassungen zu planen und so das eigene Unternehmen abzusichern sowie den Kunden die optimal, normgerechte Lösung anzubieten.
Wie wirkt sich die Mitarbeit im Gremium konkret auf die Qualität oder Praxisnähe von Normen aus?
Vincent Pannard: Die Mitarbeit von Fachkräften hat einen direkten Einfluss auf die Praxisnähe und Verständlichkeit von Normen. Anforderungen müssen eindeutig formuliert, technisch umsetzbar und im Einklang mit den beabsichtigten Schutzzielen stehen. Gerade bei innovativen, nicht herkömmlichen Brandschutzlösungen können wir mit Beispielen aus dem Arbeitsalltag aufzeigen, wo sich theoretische Vorgaben in der Praxis bewähren oder wo sie an Grenzen stoßen. In den Gremien prüfen wir daher sehr genau, welche Wirkungen bestimmte Formulierungen im Entwurf auf die spätere Umsetzung haben können, etwa auf die Schutzzielerreichung, die funktionale Zuverlässigkeit oder die Konformitätsbewertung. Durch diese Rückmeldungen lassen sich Unklarheiten frühzeitig identifizieren und Anforderungen so ausgestalten, dass sie technisch fundiert, realistisch umsetzbar und für Anwender nachvollziehbar sind. Das führt zu Normen, die den Stand der Technik abbilden und eine hohe Akzeptanz bei Kunden, Versicherern, Behörden und der Feuerwehr finden.
Vincent Pannard, wir danken für die interessanten Einblicke in die Gremienarbeit.
Das Deutsche Institut für Normung e. V. (DIN) ist die unabhängige Plattform für Normung und Standardisierung in Deutschland und weltweit. Gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlicher Hand und Zivilgesellschaft trägt DIN wesentlich dazu bei, Zukunftsfelder zu erschließen. Als Mitgestalter des digitalen und grünen Wandels leistet DIN einen wichtigen Beitrag bei der Lösung der aktuellen Herausforderungen und ermöglicht, dass sich neue Technologien, Produkte und Verfahren am Markt und in der Gesellschaft etablieren.
Über 40.000 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Forschung, von Verbraucherseite und der öffentlichen Hand bringen ihr Fachwissen in den Normungsprozess ein, den DIN als privatwirtschaftlich organisierter Projektmanager steuert. Die Ergebnisse sind marktgerechte Normen und Standards, die den weltweiten Handel fördern und der Rationalisierung, der Qualitätssicherung, dem Schutz der Gesellschaft und Umwelt sowie der Sicherheit und Verständigung dienen.
DIN wurde 1917 gegründet und feierte 2017 sein 100-jähriges Bestehen.
Normen sind entscheidend für sichere und konforme Brandschutzlösungen. Wenn Sie Fragen zur normgerechten Planung haben oder Unterstützung bei der Auslegung benötigen, beraten wir Sie gerne mit unserer Expertise.